Pro centovalli e Pedemonte

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Mineralien


Mineralien und Gesteine im Centovalli und Terre di Pedemonte

Seit über einem halben Jahrhundert ist den Wissenschaftlern der ganzen Welt Centovalli für das Vorkommen von wichtigen Nickel-, Chromit-, Eisen- und Asbestmineralisierungen bekannt, besonders die Gridone-Nordseite. Diese Mineralisierungen sind eng mit der "Ivrea-Verbano-Zone" verbunden, einer wichtigen tektonischen Einheit, die durch das Vorhandensein von Gestein charakterisiert ist, das seinen Ursprung im "Mantel" hat, der Schicht unmittelbar unter der Erdkruste. Die magnetischen und gewichtsanalytischen Anomalien, die in dieser Gegend festgestellt wurden und in keinem anderen Teil der Alpen vorkommen, sind ihrerseits mit dem darunterliegenden Mantel eng verbunden. Ein weiteres Thema von besonderem Interesse ist das Vorhandensein der sog. Insubrischen Linie, die Hauptverwerfung der ganzen Alpenkette. Diese ist aus dem Zusammenstoss zwischen der afrikanischen und der euroasiatischen Platte entstanden, der zur Alpenbildung geführt hat. Mineralien von besonderem Interesse sind ebenfalls die in der "Karte der mineralischen Rohstoffe der Schweiz" erwähnt werden, welche in Jahre 1994 von der Schweizerischen Geotechnischen Kommission veröffentlicht wurde. In diesem wichtigen Dokument werden einige im Tal festgestellte Mineralien erwähnt, darunter, neben Nickel und Chromit, auch das Chrysotil (Serpentinasbest) des Gridone, das Molibdenit von Intragna und der Feldspat, der in beträchtlichen Mengen in Camedo und Bordei vorhanden ist. Im Überschwemmungschutt der Melezza ist darüber hinaus das Vorhandensein von Gold, Uran und Wolfram gemeldet worden. Es wird in diesem Dokument darauf hingewiesen, dass in Krisezeiten durch einen politischen Entscheid diese mineralischen Rohstoffe genutzt werden könnten. Obwohl die besondere geologische Beschaffenheit dieser Gegend von Anfang an, von wenigen seltenen Ausnahmen abgesehen, die Bildung von Mineralien in grossen Dimensionen verhindert hat, verfügt das Tal über einen gewissen Reichtum an Gesteinsarten. Die mineralogische Forschung, die erste dieser Art im Centovalli, unternommen durch Fabio Girlanda, hat das Vorkommen von etwa fünfzig Mineralien, einigen sehr üblichen und anderen eindeutig seltenen, die seit Urzeiten im Herzen unserer Berge bewahrt werden, feststellen können. Zu den erwähnenswerten Entdeckungen müssen das Almandin- und Essonitgranat, Beryllium, Diopsid, Chromodiopsid, Magnetit, Talk, Tremolit, Olivin, Korund und Zirkon aufgeführt werden. Aus der Pizzo Ruscada-Gegend stammen einige äusserst seltene radioaktive Mineralien wie Euxenit und Polikras-Yttrium. Einige von besonderem wissenschaftlichen Interesse werden gegenwärtig gründlichen Untersuchungen unterworfen. Die Mineralien- und Gesteinssammlung des Centovalli wird ausgestellt bei der Cà d’Amalia - Terra Vecchia-Stiftung in Bordei (Palagnedra) (Tel. 091-798 1218) sowie zeitweise beim Regionalmuseum des Centovalli und Pedemonte in Intragna (Tel. 091-796 2577).




Der Kalkbrennofen von Moneto
Zwischen den Buchenwäldern, die das Tal von Capolo bedecken, sind immer noch die Reste des Brennofens, in dem in den vergangenen Jahrhunderten Kalk gebrannt wurde, sichtbar. In diesen Öfen wurde gebrannter Kalk produziert, der verschiedene Anwendungen fand; vom Bau und Wandverputz der meisten privaten und öffentlichen Gebäude in den Gemeinden von Palagnedra und Borgnone im oberen Teil des Tales, bis zur Haus- und Stalldesinfektion auf Grund der verschiedenen Seuchen, die diese Region nicht verschont haben. Ein Produkt also von höchster Wichtigkeit, das bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts an Stelle des heutigen Zementes verwendet wurde. Leider sind die historischen Funde, die sich auf diesen Ofen beziehen, ziemlich spärlich und fragmentarisch. Es ist immerhin sicher, dass dieser bereits gegen Mitte 1600 existierte. Man nimmt an, dass der verwendete Kalk für den Bau des berühmten Palazzo Tondù in Lionza (auf der gegenüberliegenden Talseite), der gegen 1670 gebaut wurde, aus diesem Ofen stammt. Die einzige wichtige historische Angabe ist im "Libro dei Terrieri di Camedo" (Grundbesitzerbuch von Camedo) und im "Libro delle risoluzioni dell’antico Comune di Centovalli" (Beschlussbuch der alten Gemeinde des Centovalli) enthalten. Der schweizer Wissenschaftler I. Schneiderfranken fügte in seiner Forschungsarbeit "Ricchezze del suolo ticinese" (Reichtümer des Tessiner Bodens) von 1943 ein "Inventario delle cave e fornaci di calce in Ticino" (Erdbau- und Kalkofeninventar im Tessin) vom Jahr 1895 bei, in welchem für das Centovalli geschrieben wurde: "Kalkerdbau (aber viel Sand) beim Ofen von Capolo seit 1886 und beim Ofen von Bordei seit 1875 unterbrochen. Schon in der Antike erforscht, wurden mehrmals genutzt". Der Ofen des Capolo-Tals, in 2002 restauriert, gehört den Patriziern von Palagnedra und Rasa. Er hat eine rundliche Form von 3.5 m Durchmesser und eine Höhe von 3.30 m. Er ist ein ziemlich rudimentärer Bau, der aus einem Loch in der Hangseite und einer Trockenmauer aus an Ort gefundenen Steinen besteht. Er ist leicht in circa 30 Minuten zu erreichen auf einem bequemen Pfad, der im Pian del Barch (972 m.ü.M) anfängt: Ein Weg mit einmaliger Sicht auf einen grossen Teil von Centovalli. Das Capolo-Tal öffnet sich nach Süden des Dorfes Moneto bis zu den Füssen der imposanten Gridone-Nordwand. Es ist eine wunderbare Landschaft, die in der "riserva forestale di Palagnedra" (Waldreservat von Palagnedra) und in der "lista cantonale delle zone di interesse naturalistico e paesaggistico" (Kantonales Landschaftsverzeichnis von naturalistischem und landschaftlichem Interesse) erwähnt wird und interessante geologische und botanische Aspekte aufweist. Hier kann man den Asclepias-Enzian oder den äusserst seltenen Serpentin-Farn (Asplenium cuneifolium) bewundern. Diesen letzteren gibt es nur in drei weiteren Schweizer Gegenden.


Der Speckstein im Centovalli
Dank der geringen Härte und besonderen thermischen Eigenschaften wird der Speckstein seit über zweitausend Jahren für die Herstellung einer Vielzahl von Gegenständen, sowohl für den Hausgebrauch als auch im religiösen Bereich, verwendet. Das Centovalli und die Terre di Pedemonte können sich aber nicht einer jahrhundertlangen Tradition der Specksteinförderung und -bearbeitung rühmen ("güia" im Ortsdialekt), wie andere Täler des Locarnese. Der Hauptgrund ist vielleicht in der Tatsache zu suchen, dass es sich grösstenteils um eine ziemlich harte und schwerbearbeitbare Sorte handelt, obwohl in der Region etwa zehn Vorkommen zu finden sind. Nur in drei oder vier Orten sind Spuren einer in den vergangenen Jahrhunderten erfogten Nutzung festgestellt worden. Ein grosser Teil der trotzdem in allen Taldörfern vorhandenen Gegenstände aus Speckstein wurde vielleicht aus Material aus den vielen damaligen Bergbauten des nahen Vigezzo-Tales hergestellt. Es ist auch möglich, dass zum Beispiel die Sprühbecken, die immer noch in verschiedenen Wohnungen aufbewahrt werden, aus anderen Tessiner Gegenden stammen und auf dem Wochenmarkt von Locarno gekauft wurden. Dennoch, etwas muss aus dem örtlichen Speckstein hergestellt worden sein. Das interessanteste Vorkommen ist dasjenige im Riale di Borgnone, unmittelbar unter dem gleichnamigen Dorf, wo auf einer Oberfläche von ca. 30 m2 Förderspuren, darunter jene von Platten deutlich sichtbar sind (vielleicht für den Bau von einem der seltenen &oUml;fen des Obertals). Ziemlich gut sichtbare Förderspuren, aber von einer dichten Vegetation bedeckt, kann man ebenfalls im Vorkommen oberhalb von Verdasio feststellen. Ebenfalls sind bearbeitete Felsbruchstücke und Felsnischen sichtbar, aus welchen Platten für den Ofenbau hätten hergestellt werden können. Die meistvorkommenden, auffindbaren Gegenstände, sind Mörser, in welchen die Nüsse und Kastanien gemahlen wurden, und Behälter in verschiedenen, ziemlich grossen Formen und Gewichten, die zur Pökelfleisch-, Butter- und Salzaufbewahrung verwendet wurden. Auf dem Pfarrkirchplatz in Verdasio kann man einen monolythischen Brunnen bewundern, während im Hof des Hauses-Tosetti sich andere erwähnenswürdige Gegenstände befinden, wie das Rad einer Presse und ein Mörser mit der Gravur "Tosetto", dem alten Namen dieses Geschlechts. Wenig entfernt, in einer anderen Wohnung, befindet sich ein besonders schöner, konischer Mörser, der aus einem ortsfundigen Speckstein hergestellt wurde. Gegenstände aus der römischen Zeit sind während Grabarbeiten in den Terre di Pedemonte zu Tage gekommen. In Tegna berichtet man vom Fund einer neolytischen Axt, während in Cavigliano im Jahr 1944 sechs Gräber aus dem ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus gefunden wurden, die Gläser, flache Kochtöpfe und Ornamente enthielten.


Das Torfmoor des Berges von Comino
Entlang dem Gebirgskamm des Pizzo Ruscada, auf der linken Talseite, liegt der Berg von Comino, ein wunderschöner Sonnenhügel mit einer Höhe von 1000 bis 1200 m.ü.M. Von Verdasio aus, einem der typischsten Dörfer von Centovalli, kann man diesen Berg, der übrigens zu den ausgedehntesten des Kantons Tessin zählt, bequem mit der vor einigen Jahren gebauten Seilbahn oder auf einem bequemen Pfad in ausgedehnten Windungen in weniger als einer Stunde erreichen. Unterhalb des Berges, in einem zauberhaften Ort von ausserordentlichem Reiz und Schönheit, erhebt sich die kleine Kirche der Madonna della Segna aus dem Jahre 1647, seit Jahrhunderten von den Einheimischen verehrt. Hinter diesem Gebetsort, auf der Wasserscheide zum Onsernone-Tal, gibt es eine weite, von Wald umgebene Mulde, in der sich eines der wichtigsten naturalistischen Juwele von Centovalli befindet, das Torfmoor von Pian Segna, das in der Liste der Torfmoore und Sümpfe von nationaler Wichtigkeit aufgeführt ist. Dieses Torfmoor erstreckt sich über ungefähr einen Hektar und zeichnet sich grösstenteils durch typische Biotop-Arten aus. Sie bestehen aus kleinen Sümpfen (caricion fuscae) und Torfmooshaufen (Sphagnum sp.), einer besonderen Moosart, die viel Wasser aufnimmt (bis zu 40 mal ihr Anfangsgewicht). Aus ihrer Zersetzung bildet sich nach einem langen Prozess der Torf, der im Pflanzen- und Blumenanbau Verwendung fand und diente in der Vergangenheit vor allem als fossile Brennstoffquelle von allerdings geringer Wärmeabgabe, eben die "Kohle der armen Leute" genannt. Auf dem Torfmoos dieses Moores wachsen dazu noch das Scheidige Wollgras (eriophorum vaginatum) und der Rundblättrige Sonnentau (drosera rotundifolia), eine fleischfressende Pflanze, welche sich von kleinen Insekten, wie Ameisen und Fliegen, ernährt, um das Fehlen von stickstoffhaltigem Kompost im Boden zu kompensieren. Andere in diesem speziellen Ökosystem vorhandene Pflanzen sind die molinia cerulea ("Moorhexe" auch Pfeifengras genannt), tricophorum caespitosum, Juncus effusus, Carex flava, Carex panicea, Carex fusca, Licopodium inondatum, Empetrum nigrum, während rund um das Torfmoor die Bergarnika, die Sterndolde, die Gefleckte Orchidee, die Goldrute, das Heidekraut, die Heildelbeere und viele andere Pflanzen wachsen. Im Torfmoor selbst lebt ein roter Frosch. Auch wurden eine Art Ringelnatter und drei Arten von Libellen, u. a. die somatochlora arctica, beobachtet. Der Wissenschaftler Bär fand 1915 dazu noch den heodes virgaureae, einen Schmetterling mit kupferfarbenen Flügeln. Die Torfmoore sind seltene Biotope von einzigartiger Schönheit. Aus naturalistischer Sicht zählen sie zu den wertvollsten Biotopen der Schweiz und stellen Lebensräume von grossem ökologischen Wert für geschützte Pflanzen und Tiere dar. Leider haben sinnlose Arbeiten, die der Mensch in den vergangenen Jahren ausgeführt hat, mit der daraus folgenden Veränderung des Wasserhaushaltes, das Torfmoor des Berges von Comino ernsthaft beschädigt.


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